Mutmacherprojekt

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Im November: Mutmacherprojekt - Chancen & Grenzen mit MS

11.2013

Andreas Beseler (MS-Betroffen & Radsportler) versucht durch regelmäßigen Sport und Fahrrad fahren seine Lebensqualität zu steigern und damit dem scheinbar unvermeidlichen Schicksal "Rollstuhl" zu entkommen.

Er möchte Betroffene mit ähnlichem Schicksal aufbauen, Mut machen und Kraft geben - dazu ermuntern, es ihm gleich zu tun oder es wenigstens zu versuchen.

Das Leben von Andeas verändert sich im Jahr 1992 komplett durch die MS-Diagnose. Gerade 27 Jahre jung, sieht er sein Leben und die Zukunft am Ende "jetzt bist Du ein Krüppel." Am meisten quälte ihn das Gefühl, der Krankheit ohnmächtig ausgeliefert zu sein und die Selbstkontrolle zu verlieren, weil der Krankheitsverlauf mit MS immer ungewiss ist. Andreas wollte sich nicht so einfach seinem Schicksal ergeben - ein Leben im Rollstuhl - nicht akzeptieren.

Mit einer ernsthaften Erkrankung wie MS zu leben und sich dennoch einen Zustand des Wohlergehens, der Lebensfreude und eine gute Lebensqualität zu bewahren ist eine Herausforderung. Lebensqualität hängt u.a. davon ab, wie der Betroffene die Krankheit verarbeitet. Die Anpassung an eine schwerwiegende Krankheit dauert ähnlich lang wie ein Trauerprozess um eine geliebte Person. Um innere Stabilität wiederzugewinnen, brauchen wir das Gefühl, die Dinge des Lebens beeinflussen zu können. Wie der einzelne Betroffene einer Erkrankung begegnet - ist sein individueller Weg.

Erleichternd kann für jeden Betroffenen dabei sein, wenn er die Auffassung gewinnt, selber wirksam sein zu können und dabei unterstützt wird. Ein Freund setzt Andeas im Sommer 1993 auf ein Mountainbike - mit anfänglichen Schwierigkeiten. Die darauffolgenden Monate/Jahre trainiert Andreas konstant, moderat weiter. "Dabei muss man gar nicht soviel tun und sich bis zur Erschöpfung anstrengen. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit" so Andreas. Immer öfter wird Andreas darauf angesprochen, seine Erlebnisse mit der Krankheit öffentlich zu berichten, um Betroffenen mit ähnlichem Schicksal Mut zu machen. Durch regelmäßigen Sport kann Andreas körperliche Symptome der MS positiv beeinflussen. Nur ausruhen und auf der Couch liegen bedeutet für ihn, immer mehr zu verkrampfen und zu versteifen. Denn so Andreas "Wenn du dich nur noch mit der Krankheit beschäftigst, gehst du psychisch zugrunde."

Andreas Beseler will niemandem Angst machen, sondern Betroffene und Nichtbetroffene dafür sensibilisieren, was es heißt und welche Folgen es hat, mit einer chronisch schweren Erkrankung umzugehen - leben zu müssen. "Ich sehe meine Krankheit zwischenzeitlich als einen Partner, einen lebenslänglichen Partner in schwarz" so Andreas.

Für alle Betroffene bedeutet eine chronische Krankheit, ein tiefer Einschnitt in das soziale Gefüge und aller bisherigen Lebenszusammenhänge. Viele Betroffene können ihre Arbeit im Laufe der Krankheit nicht mehr ausüben oder werden immer wieder für längere Zeit aus ihrem Arbeitsgefüge herausgerissen - verlieren in der Regel, was das Leben bislang lebenswert gemacht hat. Durch eine chronisch schwere Erkrankung bedroht sind soziale Beziehungen, berufliche Zufriedenheit, Lebenslust, Erfolg und finanzielle Sicherheit.

Krankenkassen, Rentenversicherer und Behörden sind durch steigende Erkrankungszahlen angehalten, Betroffene mit größerer Empathie zu begegnen - für eine Diagnose wie der MS (mit den so zahlreich, individuellen Symptomen und Folgeerkrankungen) die für Aussenstehende auf den ersten Blick nicht sichtbar und damit häufig nur schwer nachvollziehbar sind. Zu den "unsichtbaren Symptomen" gehören z.B. die als Fatigue bezeichnete chronische Erschöpfung, kognitive Einschränkungen, Schmerzen, Blasenstörungen etc.. Die "unsichtbaren" Symptome der MS sind im Lauf der Zeit dann meist auch der Grund einer Erwerbsunfähigkeit.

Je mehr Betroffene über ihr "Handicap" und ihre Erfahrungen berichten, u.a. mit/bei Behörden - die i.d.R. nur über ungenügend MS-Basiswissen und kaum Informationen über MS-Folgeerkrankungen verfügen - desto größer die Empathie. Die Multiple Sklerose ist eine von insgesamt über hundert Autoimmunerkrankungen - umgangssprachlich auch als die "Krankheit der 1000 Gesichter" bekannt. Jeder MS-Betroffene hat mit individuellen Symptomen wie Folgeerkrankungen und deren Auswirkungen zu leben. Berufliche, existenzielle und soziale Beeinträchtigungen sind durch die MS-Erkrankung vorprogrammiert.

Was damals mit ersten Versuchen auf einem Mountainbike begann ist inzwischen Alltag für Andreas Beseler. Jeden Tag setzt er sich auf den Sattel und fährt - solange er kann. Außerdem geht Andreas ins Fitnessstudio oder nimmt an Radmarathons teil, so sein gesundheitlicher Zustand (der täglich wechselt) es zulassen.

Nach über einem Jahr der Planung setzt Andreas im Jahr 2013 sein "Mutmacherprojekt" - die Benefiztour "3000 km mit dem Rad durch Kanada" in die Tat um. Knapp 4000km fährt Andreas mit dem Rad (unter zum Teil widrigen Straßen- und Wetterverhältnissen) durch Kanada um damit Geld für die Nathalie-Todenhöfer-Stiftung zu sammeln.

Andreas Beseler übergibt Scheck von mehr als 26.000 Euro an die Nathalie-Todenhöfer-Stiftung

Die symbolische Scheckübergabe von mehr als 26.000 Euro an die Nathalie-Todenhöfer-Stiftung fand am 19. Oktober in einer Abschlussfeier im Radsportverein Rodgau-Jügesheim statt. (mehr dazu hier). Abgerundet wurde der Abend durch die Vorstellung mit einem Grobschnitt des Films, den Christian Gropper auf der langen Tour durch Kanada gedreht hat und in Kürze in der ARD in einer Kurzfassung zu sehen sein wird. Der geplante Sendetermin wird rechtzeitig unter der Rubrik Presse und Medien veröffentlicht. Eine ausführliche Version des einfühlsamen und zugleich humorvollen Films für die Kinoleinwand ist in Planung.

Der erfolgreiche Abschluss der "Kanada Benefiz-Radtour" ist zugleich Anfang eines neuen Projekts im Jahr 2014. Andreas Beseler plant vom 15. Juni bis 28. Juni die Besi & Friends-Tour 2014. Diese Tour startet in Frankfurt/Main und endet in Barcelona. Angesprochen sind Radsportbegeisterte - mit und ohne Handicap. Wer sich für die Besi & Friends-Tour 2014 bewerben möchte - um sich der Tour nach Barcelona anzuschließen - erfährt mehr hier.

Andreas Beselers Ziel: "So lang wie möglich mit dem Rad sich fit halten: Rad-statt-Rollstuhl! Betroffene mit ähnlichem Schicksal aufbauen, Mut machen und Kraft geben - dazu ermuntern, es ihm gleich zu tun oder es wenigstens zu versuchen."

Der Herbst trägt jetzt sein schönstes Kleid & Willkommen in der dritten Jahreszeit. Machen Sie es sich zu Hause mit einer schönen Tasse Tee und Kerzenlicht gemütlich - denn Herbstzeit ist Kuschelzeit.

Ihre "Bella"

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