MS-Forschung

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Im Oktober: Netzhaut als Prognosemarker für Schweregrad von MS

10.2022

Die Netzhaut des Auges kann als Prognosemarker für den Schweregrad von Multipler Sklerose (MS) herangezogen werden.

Das haben Forschende der Medizinischen Universität Wien in einer Studie festgestellt.

Die Analysen ergaben, dass der Verlust an Netzhautschichtdicke in Folge eines MS-Schubes die Schwere von künftigen Schüben und damit die Wahrscheinlichkeit einer Behinderung vorhersagt. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal "Neurology" veröffentlicht.

Die Einstufung über den Schweregrad von MS sei wesentlich für die Wahl der adäquaten Therapiemöglichkeiten. Sie könne mit den aktuell zur Verfügung stehenden Methoden aber nicht verlässlich getroffen werden, so die Mitteilung.

Im Rahmen der Studie untersuchten die Forschenden um Gabriel Bsteh und Thomas Berger von der Universitätsklinik für Neurologie in Kooperation mit der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie von der MedUni/AKH Wien 167 MS-Patientinnen und -Patienten über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren.

Schäden an Netzhaut - spiegeln Schäden im Gehirn
Dabei gingen sie von der Hypothese aus, dass schubbedingte Schäden an der Netzhaut des Auges die Größe der Schäden im Gehirn widerspiegeln. Wie die wissenschaftlichen Analysen bestätigten, bedeutet etwa der Verlust von fünf Mikrometern Netzhautschichtdicke nach einer Sehnerventzündung eine Verdopplung des Risikos für eine bleibende Behinderung nach dem nächsten Schub.
 
Diese Voraussagen könnten künftig als Basis für Therapieentscheidungen herangezogen werden: Die Studienergebnisse weisen darauf hin, dass bei hohem Verlust an Netzhautschichtdicke intensivere Therapiewege angebracht sind als bei geringeren Abnahmen. Das gilt auch dann, wenn die Betroffenen zum Zeitpunkt der Messung noch keine oder nur leichte Behinderungen haben. „Wie wir im Zuge unserer klinischen Studie festgestellt haben, sollten die Messungen bei Erstdiagnose, unmittelbar zum Zeitpunkt der MS-Schub-Sehnerventzündung und sechs Monate danach durchgeführt werden", empfahl Bsteh, Erstautor der Studie. Das Prognoseverfahren sei mit der optischen Kohärenztomographie (OCT) bereits verfügbar.
 

Da Vorhersagen über einen möglichen Krankheitsverlauf mit MS sich bislang schwierig erweisen, ist die medizinische Forschung sehr an verlässlichen Prognosetools interessiert. "Mit der Netzhautschichtdicke haben wir einen neuen Biomarker identifiziert, der gleichsam ein Fenster zum Gehirn darstellt", fasst Gabriel Bsteh die Essenz der Studie zusammen. Sollten sich die Ergebnisse in größer angelegten Folgestudien bestätigen, könnte das Verfahren auch in der klinischen Routine angewandt werden.


Ich wünsche Ihnen einen tollen Goldenen Herbst!


Ihre „Bella“

 

Quelle: Medizinische Universität Wien

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