Forschung und Prävention 4.26

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Im April: Komorbidität bei MS

04.2026

Komorbidität bezeichnet in der Medizin das gleichzeitige Bestehen einer oder mehrerer zusätzlicher Erkrankungen (Begleiterkrankungen) - neben einer definierten Grunderkrankung wie der Multiplen Sklerose (MS).
Begleiterkrankungen wirken sich leider nicht nur auf das allgemeine Wohlbefinden aus - sie können auch die Krankheitsaktivität der MS verstärken. Eine neue Auswertung von 17 Phase-3-Studien mit über 16.000 MS-Patienten, veröffentlicht im Fachjournal JAMA Neurology [1], zeigte: Je höher die Zahl der Komorbiditäten, desto größer das Risiko für Rückfälle, neue Läsionen und eine schnellere Verschlechterung.
 
Je mehr Komorbiditäten vorliegen, desto aktiver die MS - das ist das zentrale Ergebnis einer groß angelegten Metaanalyse mit insgesamt 16.794 MS-Betroffenen. Die Auswertung ergab, dass Personen mit drei oder mehr Komorbiditäten ein um 14 % erhöhtes Risiko für sogenannte Krankheitsaktivität (EDA) aufwiesen - also für Rückfälle, neue MRT-Läsionen oder zunehmende Behinderung - im Vergleich zu Personen ohne Begleiterkrankungen. Doch auch schon bei zwei Komorbiditäten zeigte sich ein erhöhtes Risiko!
 
Psychische Komorbiditäten: können Rückfallrate und Behinderungszunahme beeinflussen
Erkrankungen wie Depressionen sind bei MS-Betroffenen häufig anzutreffen – und haben nachweislich Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf. Die Studie zeigt: Allein das Vorliegen einer Depression erhöht das Risiko für Rückfälle um 21 % und für eine fortschreitende Behinderung um 29 %. Besonders Depression und Angst zeigten einen klaren Zusammenhang mit der Krankheitsaktivität – auch, dann wenn andere Faktoren wie Alter oder Medikamenteneinnahme berücksichtigt wurden. Diese Ergebnisse verdeutlichen auch wie wichtig eine psychologische Mitbetreuung bei MS sein kann.

Körperliche Komorbiditäten: Herz, Gefäße, Lunge - unterschätzte Risiken 
Neben den psychischen Faktoren spielen auch die körperlichen Komorbiditäten eine erhebliche Rolle bei MS. Insbesondere die kardiometabolische Erkrankungen: Bluthochdruck, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden zeigten in der Studie eine deutliche Verbindung zu schlechteren klinischen Verläufen. Wer zwei oder mehr dieser Erkrankungen hatte, wies ein um 34 % erhöhtes Risiko für eine Behinderungsprogression auf. Ischämische Herzkrankheiten und zerebrovaskuläre Störungen (gestörte Durchblutung des Gehirns) waren besonders stark mit Krankheitsaktivität assoziiert. Auch chronische Lungenerkrankungen erhöhten das Risiko für Rückfälle und Behinderungen.
 
Prävention und Behandlung: Komorbiditäten sind kein Nebenschauplatz, sondern ein entscheidender Faktor für den Verlauf einer Multiplen Sklerose (MS) 
Ob eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, Depression oder chronische Entzündung - jede zusätzliche Belastung erhöht das Risiko für Rückfälle oder einen schnelleren Krankheitsverlauf. Die gute Nachricht: ein paar der genannten Begleiterkrankungen lassen sich durch präventive oder aktive Lebensstilveränderungen von jedem Einzelnen positiv und proaktiv beeinflussen: Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft, ausreichend trinken (1,5 Liter Wasser) am Tag, viel Obst und Gemüse und Fleisch in Maßen genießen. Auch ein bewusster Stressabbau durch Achtsamkeit (MBSR), Yoga, Meditation oder einer Imaginationsübung „sicherer Ort“ kann die Resilienz fördern. Wir können das Schicksal nicht bezwingen, aber wir können entscheiden, wie wir damit umgehen - jeder kleine Schritt zählt!
 
„Tun wir es der Natur gleich und stehen immer wieder auf, in der Aufgabe, das Gute zum Blühen zu bringen.“ (Beat Jean)

Ihre „Bella“

 

Quelle:
[1] Salter A, Lancia S, Kowalec K, Fitzgerald KC, Marrie RA. Comorbidity and Disease Activity in Multiple Sclerosis. JAMA Neurol. 2024 Sep 18;81(11):1170–7. doi: 10.1001/jamaneurol.2024.2920. Epub ahead of print. PMID: 39291661; PMCID: PMC11411448.
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